Das vergangene Zucht- und Ausstellungsjahr ist ohne große Unannehmlichkeiten zu Ende gegangen. Es war ein gutes Jahr für die Rassegeflügelzucht und wir können was Ausstellungen betrifft, wieder optimistischer in die Zukunft schauen.

Auf dem Gebiet der Gesunderhaltung unserer Rassetauben hat die neue Zweifachimpfung gegen Rotaviren und Paramyxoviren endlich einen Erfolg gegen die „ Jungtaubenkrankheit „ gebracht. Seit 3 Jahren ist es möglich mit dem Impfstoff  RP Vacc der Firma PHARMAGAL aus der Slowakischen Republik, unsere Tauben impfen zu lassen. Es gibt keine Verluste mehr nach Ausstellungen, in den geimpften Beständen. Ich kann aus eigener Erfahrung sprechen und jedem Taubenzüchter zu dieser Impfung raten. Die Jungtiere werden zweimal im Abstand von 3 Wochen geimpft und die Alttiere nur einmal. Wichtig ist auch, das der gesamte Bestand geimpft wird um eine Herdenimmunisierung zu erreichen und das die Impfung jedes Jahr wiederholt wird, alle Tiere des Bestandes müssen den gleichen Impfstatus haben. Der Erfolg einer Taubenzucht hängt in erster Linie von einem gesunden Taubenbestand ab und wir sollten hier nicht an der falschen Stelle sparen. Teure Zukäufe helfen garnichts wenn sie krank werden und keine Nachzucht bringen. Auch die orale Gabe von Immunglobulinen (Antikörpern) von Säugetieren (Kolostrum) ist zwar nahrhaft aber immunologisch vollkommen sinnlos.

Noch ein paar Anmerkungen zu den Bestimmungen für die Thüringer Landesmeisterschaft bei den Tauben.

Es kommen 6 Tiere in die Wertung, davon müssen mindestens 4 Tauben Jungtiere sein. Züchter die nur 3 Jungtiere oder weniger melden, fallen automatisch aus der Wertung. Auch bei der Meldung von nur 4 Jungtieren, ist die Möglichkeit groß die Mindestpunktzahl (569) nicht zu erreichen. Denn schon eine niedrige Bewertung bei den Jungtieren geht zwingend mit in die Berechnung der Punkte ein. Dagegen gehen von zum Beispiel 4 hoch bewerteten Alttieren nur 2 in die Wertung. Bei der Berechnung für die Deutsche Meisterschaft spielt das alles keine Rolle, dort ist es egal ob es Jungtiere oder Alttiere sind. Zur 58. Landesverbandsschau im Januar in Erfurt hatten 211 Züchter ihre Meldung für die Thüringer Landesmeisterschaft abgegeben ( es waren auch einige aus Hessen und Bayern dabei ).

Davon können sich 63 Bewerber  über den Thüringer Landesmeistertitel freuen, sie haben die erforderlichen 569 Punkte erreicht. An dieser Stelle nochmals meinen herzlichen Glückwunsch an alle Erringer. Aber auch 3 Jungzüchter hatten ihre Unterlagen abgegeben und auch die Bedingungen ( 568 Punkte ) erfüllt. Zum Pech für diese Züchter fand die Meisterschaft für die Jugend in diesem Jahr bei der separat durchgeführten Landesjugendschau im November in Mühlberg statt.

In Erfurt zur VDT-Schau präsentierten sich die Spaniertauben als Rasse des Jahres 2024 im Landesverband Thüringen mit 127 Einzeltieren, ein gutes Ergebnis wo doch erst 4 Wochen vorher in Leipzig der „Goldene Siegerring“ als Wettbewerb für diese Rasse anstand. Die Plätze 1 bis 4 gingen an Thüringer Züchter, herzlichen Glückwunsch an Jens Riemann, Eckhardt Fleischhauer, Albrecht Wolf und Thomas Stötzer). Die Qualität der Tiere war wieder überragend und auch einige seltene Farbenschläge waren zu bewundern.

Der Tier- und Artenschutz wird zunehmend zum Problem für unser Hobby. Die amerikanische Tierrechtsorganisation PETA mit ihren „Streetteams“ (semiprofessionell organisierte Gruppe von Freiwilligen die Werbung betreibt ), Erfurter Tauben e.V. (wollten sich ursprünglich um Erfurter Stadttauben kümmern) und die Internetdatenbank „Quen“ (ehrenamtlich tätige Tierärzte, Rechtsanwälte und Biologen ) die Daten über Qualzuchten für Behörden, Veterinärämter und Gerichte sammeln. In diesen Datenbanken tauchen übrigens auch Berichte vom WGH auf. Diese Vereinigungen haben uns im Visier und machen unser Hobby nicht leichter. Eine Zusammenarbeit mit diesen Organisationen ist für uns nicht von Vorteil, sie stehen auf der anderen Seite der Barrikade. Auch die Aktivitäten unseres Verbandes auf diesem Gebiet sind zum Teil von Übereifer geprägt und laufen zum Teil in die falsche Richtung. Wenn im Januar ein Kröpfer wegen fehlender Federn am Blaswerk mit „u“ bewertet wird, hat das nichts mit Tierschutz zu tun, sondern verärgert nur die Züchter und Aussteller. Liefern wir also diesen Leuten keine neuen Argumente, sondern versuchen wir intern wirklichen Übertypisierungen entgegenzutreten. Auch der WGH kann uns dabei nicht helfen und kostet außerdem nur Geld. Auf diesem Gebiet sind besonders die betroffenen Sondervereine gefragt, um die entsprechenden Standardänderungen vorzunehmen. Wird diese Entwicklung verschlafen, zeigen  auch die zurückgehenden Ausstellungszahlen, das die davon betroffenen Rassen Nachholbedarf haben, und einige der geforderten Rassemerkmale überdenken müssen.

Die Tierbestandserfassung wurde auch 2024 fortgesetzt, die Erfassung ist inzwischen zu 100 % vollständig und es geht an dieser Stelle ein Lob an die Kreisverbände und Ortsvereine für die damit verbundenen Mühen. Ein besonderer Dank gilt Hans-Jürgen Vockenberg, der sich dafür einsetzt dass die Erfassung und Übertragung der Daten an den BDRG reibungslos über die Bühne geht.

An der Jahrestagung des Beirates für Tier- und Artenschutz in Bad Sassendorf im Haus Düsse nahm Zuchtfreund Michael Kümpel teil. Für Züchter und Aussteller ist insbesondere von Interesse, das Fehler die den Tierschutz betreffen durch die Preisrichter mit „u“ bewertet werden sollen. Auf den Großschauen wird dafür extra ein Obmann für Tierschutz eingesetzt, der die Bewertungsarbeit der Preisrichter in dieser Richtung überwacht. Es handelt sich dabei um Merkmale wie mangelnde Sichtfreiheit, Kahlstellen im Kropfgefieder und durchgedrückte Fersengelenke. Mein Apell an die Preisrichter, man kann diese Merkmale auch in der Wusch- oder Mängelspalte ansprechen ohne gleich „u“ zu vergeben, je nach Ausprägung. Dadurch ist der Schreck unter den Ausstellern nicht ganz so groß und die Wahrscheinlichkeit dass die betroffenen Züchter im nächsten Jahr wieder ausstellen ist größer. Sonst überfordern wir den Hobbygedanken und wir verlieren immer mehr Akzeptanz an der Basis.

Der Modus der Thüringer Meisterschaft und auch der Deutschen Meisterschaft, trägt dazu bei das diese Titel immer mehr an Wertigkeit verlieren. Die Bewertungsnoten werden immer höher und das hat nicht immer mit einer steigenden Qualität der Tiere zu tun. Wenn bei einem Bewertungsauftrag von 80 Tieren, 68 „sg 94“ und mehr bekommen und dabei noch 10 Tiere mit 95 Punkten keinen Preis mehr erhalten, stimmt der Maßstab nicht mehr und ob derartige Bewertungen den Züchter in seiner Zucht weiter bringen ist auch fraglich. Aber dafür sind ja unsere Ausstellungen da, um Hinweise für die weitere Zucht zu geben und nicht nur zur Preisvergabe.

Ein Blick in die Zukunft zeigt, das unser Hobby nicht einfacher wird aber wir müssen die unabänderlichen Entwicklungen wie Rückgang der Mitgliederzahlen und Überalterung unserer Vereine akzeptieren. Es wird immer schwieriger, jüngere Züchter von der ehrenamtlichen Arbeit in unseren Ortsvereinen zu begeistern. Als Konsequenz schläft die Vereinsarbeit ein und der Niedergang an der Basis beschleunigt sich. Spätestens in 10 Jahren stehen wir vor einem Scherbenhaufen der sehr viele kleine Vereine zur Aufgabe zwingt. Die Basis bricht uns weg und wir haben noch keine Antworten darauf. Trotzdem bleiben wir optimistisch für die Zukunft unserer schönen Freizeitbeschäftigung und geben nicht auf, wir befassen uns immerhin mit einer der wichtigsten Nebensachen der Welt.

Mein Dank geht an dieser Stelle die Vorstandsmitglieder des Landesverbandes für ihre ehrenamtliche Verbandsarbeit und an die vielen Funktionsträger in den Kreisverbänden und Ortsvereinen für ihre unermüdliche Arbeit.

Das Miteinander darf nicht zu kurz kommen, damit die Zahl der aktiven Züchter nicht noch kleiner wird und der ideale Platz dafür ist und bleiben unsere Ausstellungen und Mitgliederversammlungen.

  

Bleibt gesund und optimistisch

Klaus Roth

Zuchtwart für Tauben und Tierschutzbeauftragter

Am Grenzrasen 2a,
99734 Nordhausen
Tel. 03631/902786
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