Die Schmöllner Trommeltaube, ein einzigartiges Kulturgut aus Thüringen


 

blauphahl    gelb    hellblau

 

blaufahl                                                             gelb                                                                   hellblau mit weißen Binden
Foto: Martin Bakkert                                       Foto: privat                                                         Foto: Privat

 

 Aufzeichnungen über die Erzüchtung der Schmöllner Trommeltaube existieren nicht. Schon vor mehr als 200 Jahren wurden in der Gegend um Schmölln und Altenburg auf den Bauernhöfen Tauben gehalten die eine Balzstimme hatten, die als Wackertrommel bezeichnet wird.

Am 18.02.1912 wurde die Geschichte in geordnete Bahnen gelenkt und in Schmölln die „Vereinigung der Züchter der Schmöllner und Altenburger Trommeltauben“ gegründet. Erster Vorsitzender wurde Rudolf Hiller aus Schmölln.

Eine alte Tradition in Schmölln war der Taubenmarkt der zwischen Aschermittwoch und Ostern wöchentlich abgehalten wurde. Erste schriftliche Nachweise stammen aus dem Jahr 1775, die Standorte in Schmölln wechselten, der Letzte wurde 1984 im Hof der HOG „Drei Schwäne“ durchgeführt.

Im Jahr 1925 wurde die erste Musterbeschreibung erstellt. Die Behosung war schon immer ein wichtiges Unterscheidungsmerkmal zur Altenburger Trommeltaube, aber auch bestrümpft kam sie in dieser Zeit vor. Ein Rassemerkmal das man aus meiner Sicht überdenken sollte. Die Luzerner, eine Schweizer Taubenrasse, haben aus dem Rassemerkmal Behosung eine Bestrümpfung gemacht.

Der Grund ist ganz einfach, die Zucht wird dadurch erleichtert, da nicht ständig auf Federstoppeln an den Zehen geachtet werden muss. Rein optisch verliert die Rasse nicht und die Abgrenzung zu

verwandten Rassen bleibt auch erhalten. Ich kann mir sogar vorstellen, dass dadurch neue Züchter von der Rasse zu begeistern sind, eine Überarbeitung der Musterbeschreibung in Richtung Behosung wäre eine Überlegung wert.

1940 wurde die vorgenannte Vereinigung in einen „Sonderverein der Züchter der Schmöllner Trommeltauben“ umgewandelt, damit war die Trennung von den Altenburger Trommeltauben vollzogen. 1.Vorsitzender wurde wieder Rudolf Hiller, 1948 übernahm Georg Neumaier, ihm folgte

1958 Günter Keller und 1965 Heinz Trommer.

Sonderrichter für Schmöllner Trommeltauben bis Anfang der siebziger Jahre war Paul Dick aus Zeulenroda. Sein Erbe als Sonderrichter übernahm Klaus Rothe aus Brockau.

In dieser Zeit waren Sonderschauen mit mehr als 100 Tieren keine Seltenheit, die oft in Schmölln stattfand.

1971 wurde Zuchtfreund Helmut Neumann Obmann der SZG, im gleichen Jahr erfolgte der Anschluss an die „SZG Deutsche und seltene Trommeltauben“.

1990 kam im Zuge der Wiedervereinigung der Anschluss an den „SV der Trommeltaubenzüchter“, eine Interessengemeinschaft (IG) für Schmöllner Trommeltauben konnte weiter bestehen.

2003 wird Zuchtfreund Hans-Jürgen Oehler neuer Vorsitzender, er übt dieses Amt bis zum heutigen

Tag aus, Helmut Neumann hatte bis dahin das Amt 33 Jahre inne, er wurde zum Ehrenvorsitzenden ernannt.

2007 sind die Schmöllner Trommeltauben Rasse des Jahres im Landesverband Thüringen.

Im Jahre 2012 feierten die Züchter dieser alten Thüringer Rasse ihr 100 jähriges  Jubiläum. Die Stadt Schmölln ist sich der Bedeutung für die Stadt bewusst, das eine Taubenrasse den Namen der Stadt trägt und vergibt seit dem Jahr 2000 aller 2 Jahre zwei Förderpreise der Stadt Schmölln. Der Sonderverein hat zurzeit 17 Mitglieder und führt jedes Jahr 2 Sonderschauen durch. Zur Sonderschau 2018 bei der 52. Landesverbandsschau in Erfurt stellten 7 Züchter 54 Schmöllner Trommeltauben in 13 Farbenschlägen (weiß, schwarz, gelb, blau mit schwarzen Binden, blau ohne Binden, blaufahl, rotfahl, gelbfahlgehämmert, blau mit weißen Binden, hellblau mit weißen Binden, schwarzgetigert, schwarzgescheckt und blaugeschuppt) aus, ein sehr gutes Ergebnis. Von den 26 anerkannten Farbenschlägen werden 18 regelmäßig auf Ausstellungen gezeigt. Darunter die seltenen Hellblauen mit weißen Binden, die den Opalfaktor tragen und zu den ältesten Farbenschlägen der Schmöllner zählen, sie sind schwer zu züchten und dürfen auf keinen Fall mit den ebenfalls anerkannten Blauen mit weißen binden gekreuzt werden. Ein genetisch sinnvoller Kreuzungspartner sind Blaue mit schwarzen Binden. Auch die in der Zucht anfallenden Blauen sind  für die Weiterzucht wertvoll, siehe das Buch von Axel Sell: „Vererbung bei Tauben“, Seite 94.

Bei den Hauptrassemerkmalen spielt neben der hellen,klaren Trommelstimme (auch die Täubinnen sollen trommeln), der Gabelschwanz eine entscheidende Rolle. Er ist breiter, auch im Ansatz als der Schwanz von Taubenrassen ohne Gabelschwanz. Wie soll so ein Gabelschwanz nun aussehen? Er besteht aus mindestens 14 langen und breiten Federn der in der Mitte deutlich sichtbar geteilt sein muss, aber nicht durch Spalt- oder Drehfedern sondern die Federn wachsen schräg nach außen durch die fehlende Bürzeldrüse. Die beiden Schwanzseiten müssen nicht die gleiche Federzahl haben, ein bis zwei Federn Unterschied sind erlaubt, wenn jede Seite mindestens 7 Federn hat. Alle Federn des Schwanzes sollten auf einer Ebene liegen, damit kein Dachschwanz entsteht.

Die Schmöllner Trommeltaube hat eine kräftige, langgestreckte, mittelhochgestellte Taube mit fast waagerechter Körperhaltung. Die Schmöllner dürfen nicht zu klein werden und sollten eine volle Brust haben.

Der Kopf sollte länglich rund sein und seinen höchsten Punkt vor dem Auge haben. Das Auge wird als Perlauge gefordert. Als Fehler treten Froschaugen auf, das Auge hat dann die Form wie eine Erbse und steht hervor, die Tiere blinkern dadurch mit den Augenlidern.

Schmöllner Trommeltauben sind sehr zuchtfreudig und bringen es pro Jahr auf 8 bis 10 Jungtiere, auch für den Freiflug ist die Rasse geeignet, wenn es die Umstände zulassen.

Die Schmöllner Trommeltaube mit ihrer markanten Trommelstimme und die Stadt Schmölln sind ein Teil der Kulturgeschichte unserer Thüringer Heimat. Deren Erhalt sollte uns weiterhin ein Anliegen und gleichzeitig Quell der Freude sein.

Klaus Roth

 

Im Rahmen besondere Rassen, bzw. Rassen mit besonderen Eigenschaften möchte ich diese Rasse als LV Rasse des Jahres 2021  näher vorstellen. Dazu gehört ohne Zweifel die Thüringer Einfarbigen, schon allein wegen ihrer Kennfarbigkeit.

 

Herkunft und Geschichte

Die Entstehungsgeschichte, der Zeitpunkt ihrer Entstehung und die dazu verwendeten Ahnenrassen sind sehr verschieden und zum Teil widersprüchlich in der Literatur festgehalten worden. Das ist selbst bei der Namensgebung der Fall, denn mit einfarbigen Tauben hat es nicht im Geringsten zu tun. Viel mehr ist aus dem Namen abzuleiten, dass aus einem Paar alle Farben fallen können. Daraus resultiert auch der bekannte Ausspruch vom alten Hugo Dolch aus Thal „wie sie fallen, so sind sie richtig“. Die genauen genetischen Erkenntnisse sind erst in den letzten Jahren erkundet worden. Die Rasse soll schon sehr alt sein aber früher nur regionalen Charakter gehabt haben. Schütte (1971) schreibt, dass im Neumeister von 1869 ein koloriertes Bild enthalten sei, welches die Thüringer Einfarbige darstellt. In anderer Literatur der damaligen Fachleute wie Baldamus, Düringen, Korth, Neubert sen. und auch jun. werden sie gar nicht erwähnt.  Eine MB für die Thüringer Einfarbigen gibt es erst seit 1951. Der PR und Einfarbigen Züchter Paul Schallenberg aus dem Landkreis Eisenach hat sich dafür besonders eingesetzt. Nach 1990 hat G. Rößling mit dem damaligen Vorsitzenden des Bundeszuchtausschusses Meckenstock die MB angeglichen und präzisiert. H. Vogel schreibt im Buch“ die Taube“ von 1973, dass diese Rasse aus Mond-, Trommeltauben und Coburger Lerchen entstanden sind. In anderen Quellen werden zudem auch noch die Eistauben und besonders gezeichnete Feldtauben genannt. Die geschlechtsgebundene Vererbung erklärt sich daraus jedenfalls nicht. Der langjährige Züchter von Thüringer Einfarbigen Dr. Blaufuß, Leimbach, vertritt die These, dass auf den früheren Thüringer Bauernhöfen normale Feld- oder Kreuzungstauben je nach Geschmack und Schönheitsempfinden der Besitzer, auf besondere Farben selektiert wurden. Wobei die Genetischen Komplexe der Kennfarbigkeit sicherlich durch eine zufällige Mutation entstanden sein könnte. Das Erkennen der Geschlechter bereits im Nest war den Bauern damals, als die Tauben vorranging der Ernährung dienten, ein willkommener Vorteil, den sie weiter förderten. Es wird weiter vermutet, dass später durch das Einkreuzen von Lerchentauben die Verdünntfarben und das Noster entstanden sind. Genaueres wird wohl nicht mehr festzustellen sein.

 

Rassemerkmale

Das Besondere an dieser Rasse ist ihre Kennfarbigkeit. Sie ist die Älteste mit diesem Merkmal (die Texaner und die Basraer Wammentaube kamen wesentlich später zu uns).Der Erbfaktor Frosty gibt es, außer bei Brieftauben in den USA, bei keiner anderen Taubenrasse weltweit. Das haben Leiß und Soldan in einer genetischen Analyse durch bestimmte Probepaarungen von 1997 bis 2000 mit Thüringer Einfarbigen und Brieftaubenerforscht und dokumentiert. Das allein macht diese Taubenrasse so einzigartig und deren Erhalt so wichtig. Zudem ist sie in verschiedenen Varianten zulässig, Belatscht und Glattfüßig, Glattköpfig und mit Rundhaube.Wie alle Thüringer Farbentauben zeigen auch die Thüringer Einfarbigen eine kräftige Felstaubengestalt mit fast waagerechter Haltung. Der Kopf ist länglich gut gerundet oder mit einer Rundhaube versehen, welche beidseitig in Rosetten endet. Die Augen sind orangefarbig und der schmale Rand hell bis dunkel- der Gefiederfarbe angepasst. Auch der mittellange Schnabel entspricht farblich der Gefiederfarbe, von hell bei Hell- und Gelbgrundig bis dunkel bei Blaugrundigen, Blauen und Blaugehämmerten. Die mittellangen Läufe sind dicht überbaut und zeigen eine ebenfalls mittellange Fußbefiederung mit Geierfedern oder sind Glattfüßig. 

 

Farbe und Zeichnung

Farbenschläge und deren Zuordnung:

 

1.0 0.1
Hellgrundfarbig SilberfarbigGelbgrundfarbig
GelerchtBlaugrundfarbig Blau mit schwarzen Binden,Blaugehämmert,Blauschimmel (Eulig)
Blauschimmel (nicht geschlechtsgebunden)
 

 

Alle Farben werden rein gewünscht, ohne weiße Federn. Charakteristisch für diese Rasse sind der Silberkragen am Hinterhals bei Hell- und Blaugrundigen Täubern, das braunrote oder gelbe halbmondförmige Noster an der Brust und die graue bis dunkle Schwanzbinde bei allen Farbenschlägen.

 

Hellgrundfarbig: Die Grundfarbe soll wie weißes Mehl sein, dazu gelbes Noster, zarte gelbliche Flügelbinden und eine graufarbige durchgehende und abgegrenzte Schwanzbinde. Der Silberkragen am Hals und eine Säumung am Schwingenende sind weiter Zeichnungsforderungen.

Gelbgrundfarbig: Die Grundfarbe, Binden, Schwingen und Schwanzbinde sind analog den Hellgrundigen. Die Flügeldecken zeigen eine extrem aufgehellte Lerchung, welche als möglichst gleichmäßiges, gelbes Zeichnungsbild erscheint. Das gelbe Noster geht daraufhin in den Hinterhals über.

Blaugrundfarbig: Die Grundfarbe ist Blaugrau mit ausgeprägtem Silberkragen und braunrotem Noster. Die gleichmäßig gewolkten Flügeldeckenentstehen durch Aufhellung des Federrandes. Die grauen Flügelbinden sollen besonders zart ausgeprägt sein und die Schwanzbinde ist von dunkler Farbe, abgegrenzt und durchgehend.  Eine weitere Forderungist die aufgehellte Schwingenendsäumung beim geschlossenen Flügel.

Silberfarbig: Grundfarbe silbergrau mit gelben Noster, Flügelbinde dunkelgrau, Schwanzbinde dunkel und durchgehend. Die Schwingenfarbe wird möglichst dunkel angestrebt.

Gelercht: Die farblichen Forderungen sind analog den Silberfarbigen Täubinnen, zusätzlich zeigen sie eine schwarzgraue Lerchung.

Blau mit schwarzen Binden: Grundfarbe blau, ohne Wolkung, Noster rotbraun, die Flügel- und Schwanzbinde ist schwarz.

Blaugehämmert: Analog den Blauen, aber mit einer schwarzen, möglichst gleichmäßigen Hämmerung.

Blauschimmel (Eulig): Die Grundfarbe ist blau mit mehr oder weniger weißen Einlagerungen im Körpergefieder, dazu mit einer dunklen Flügel- und Schwanzbinde.

 

Verbreitung

Die am häufigsten gezüchtete Art sind die Belatschten, Glattköpfigen.  Die Gattfüßigen und die Belatschten mit Rundhaube waren früher kaum auf unseren Ausstellungen anzutreffen, heute dagegen werden sie, wenn auch in kleinen Kollektionen aber kontinuierlich, auf unseren Sonderschauen gezeigt. Der dominierende Farbenschlag ist weiterhin der Blaugrundige/ Blau m.s.B. Die meisten Zuchten konzentrieren sich nach wie vor auf den Thüringer Raum. Aber auch in anderen Landesteilen wie z.B. in Sachsen, Sachsen-Anhalt oder Bayern haben sich interessierte Züchter gefunden. In der nachfolgenden Tabelle sind die Meldezahlen der letzten 25 Jahre der HSS ersichtlich. Ihren Höhepunkt erreichten sie in dem Zeitraum zwischen 2000 uns 2010. In den letzten Jahren sind sie leider wieder etwas weniger geworden.

 

Jahr Anzahl der Tiere
1995 59
2000 173
2005 110
2010 221
2018 97

 
Ein aufwendiges Putzen, außer der Latschenpflege, wie bei den meisten Thüringer Farbentauben, entfällt bei den Thüringer Einfarbigen. Ein Vorteil den, die auf diesem Gebiet weniger versierten Züchter, zunutze machen können.
 

Ringgrößen: Belatscht 10, Glattfüßig 8

 

Jürgen Weichold

Eine Thüringer Farbentaube unter den Strukturtauben, der Schmalkaldener Mohrenkopf

 

Eine außergewöhnliche Rasse stellt der Schmalkaldener Mohrenkopf dar, er ist eine gelungene Mischung aus Farben- und Strukturtaube und dazu noch mit üppigem Fußwerk. Trotzdem ist und bleibt er eine züchterische Herausforderung in Bezug auf Haltung und Pflege. Einen Schmalkaldener Mohrenkopf in all seiner Schönheit perfekt zur Ausstellung vorzubereiten, ist mit sehr viel Mühe und Aufwand verbunden. Waschen, saubere und trockene Haltung für die Latschen, putzen der Zeichnung und Federstruktur sind nur die wichtigsten die der Züchter beherrschen muss.

Waren es über viele Jahre nur schwarze Schmalkaldener Mohrenköpfe die anerkannt waren, bis Mitte der 1950er Jahre die roten, gelben und blauen heraus gezüchtet wurden. Zuchtfreund Höpfner aus Arnstadt hatte sich dabei besondere Verdienste erworben. Er kreuzte weiße und getigerte Perückentauben sowie Sächsische Schnippen und Süddeutsche Mohrenköpfe ein.

Der Schmalkaldener Mohrenkopf wurde 1855 durch KORTH das erstemal beschrieben. In der Bröschüre von Heini Baier aus  Asbach die zum 100jährigen Jubiläum des Geflügelzuchtvereins Schmalkalden 1993 veröffentlicht wurde, ist viel über die Ursprünge des Schmalkaldener Mohrenkopfes berichtet worden.

In den 1930er Jahren wurde erstmals ein Sonderverein gegründet, in der DDR wurde die Rasse durch die SZG „Seltene Farbentauben“ betreut. Sie galten bis zur Wende als Farbentauben.  Nach der Wende schlossen sich die Züchter aus der DDR dem Sonderverein Schmalkaldener Mohrenköpfe von 1977 an. Dadurch wurde die Rasse zur Strukturtaube, es kam zu einem deutlichen Aufschwung und 1993 standen zur Sonderschau in Schmalkalden über 150 Mohrenköpfe in den Ausstellungskäfigen. Heute hat der Sonderverein 35 Mitglieder aus mehreren europäischen Ländern. Seit mehreren Jahren wird der Sonderverein von Marcus Beck aus Barchfeld geführt und hat seither einen stetigen Aufschwung genommen.

Im Jahre 2005 waren die Schmalkaldener Mohrenköpfe Rasse des Jahres im Thüringer Landesverband.

Der Schmalkaldener Mohrenkopf hat die Form einer großen, kräftigen Feldtaube mit voller Brust, doch wird der Gesamteindruck von der Federstruktur des Halses bestimmt. Das üppig entwickelte Gefieder, allerdings nicht zu weiche Gefieder unterstreicht die Verlagerung des Haupteindrucks von der Form auf die Struktur. Diese erfordert eine lange als auch möglichst feste Feder. Die Kombination beider Merkmale ist nicht einfach. Der Kopf ist gewölbt und hat eine möglichst hohe, breite Stirn. Die Augen werden dunkel gefordert, der Rand ist schmal und dunkel bei schwarz und blau und hell bei gelb und rot. Der Schnabel ist etwas kräftiger als bei Feldtauben.

Die zu Recht heute bei den Strukturtauben angesiedelte Rasse, hat ihr Hauptrassemerkmal in der Kopf- und Halsstruktur mit Hut, Kette und Mähne. Der Hut, ähnlich einer üppigen Haube soll möglichst hoch und frei stehen und sich leicht nach vorn neigen, dabei aber fest in der Feder sein und keine Lücken zeigen. Die Kette reicht vom Flügelbug bis zur Höhe der Augen ohne diese zu verdecken und bildet mit der Mähne einen Scheitel. Die beiden Kettenseiten sollen sich am Vorderhals berühren und den gewünschten Kettenschluss bilden. Die Mähne ist das Hinterhalsgefieder, sie geht ohne Lücke oben in das Hutgefieder über. Das Strukturgefieder sollte insgesamt nicht zu weich sein damit keine Lücken entstehen und in sich geschlossen wirken.

Das Fußwerk sollte möglichst voll, abgerundet und überbaut sein. Die Länge der Latschenfedern liegt zwischen der Sächsischer Farbentauben und der Süddeutscher Farbentauben. Die Geierfedern sollen gut entwickelt sein und unterstreichen optisch den geforderten tiefen Stand.

Die Zeichnung des weißgrundigen Schmalkaldener Mohrenkopfes beschränkt sich auf den Kopf mit einem kurzen Latz und den Schwanz. Der Rückenschnitt soll gerade sein und der Keil farbig. Schilf im Schwanz gilt als Fehler. Hinter den Augen treten gelegentlich einige weiße Federn auf. Sie sollten entfernt werden, damit das Zeichnungsbild nicht gestört wird.

Der schwarze Farbenschlag ist nicht nur der älteste sondern auch der am besten durchgezüchtete und verbreitetste Farbenschlag. Danach kommen die Gelben, gefolgt von Rot, die Probleme mit der Schwanz- und Schnabelfarbe haben. Den Blauen fehlt eine breitere Zuchtbasis, um Fortschritte zu machen.

Die Zukunft des Schmalkaldener Mohrenkopfes ist gesichert, sie werden regelmäßig auf Ausstellungen gezeigt und der Sonderverein macht Werbung für diese schöne und einzigartige Thüringer Strukturtaube.

5134 a 16058 1

16037 19366 r

16052 a 19371 1

  19343  19350

 

Großer Dank geht an Herrn Roberto Comi aus Italien welcher die schönen Fotos zur Verfügung gestellt hat!

Zuchtwart für Tauben und Tierschutzbeauftragter
Klaus Roth
Am Grenzrasen 2a,

99734 Nordhausen
Tel. 03631/902786
Fax: 03631/902794
Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!

 

Die Geschichte

der Brüstertauben ist schon recht alt. Bereits seit ca. 1800 sind sie bekannt. Wie bei vielen Rassen sind genaue und detaillierte Angaben nicht bzw. lückenhaft vorhanden. Früher wurden sie der Gruppe der Latz- und Mohrenkopftauben zugeordnet. Heute gibt es 3 Grundarten. Die belatschte, glattköpfige Form ( sächsische), die rundkappige, großlatzige Art ( süddeutsche – heutige Latztaube) und die spitzkappige, glattfüßige Variante – der Thüringer  Brüster.

 

Rassemerkmale und Zuchtstand

Er soll, wie die meisten Farbentauben, eine kräftige Feldtaubengestalt besitzen. Wirkt allerdings etwas eleganter und schnittiger als die sächsische Schwesterrasse. Der Flügelbug soll trotzdem gut eingebaut sein und die Körperhaltung ist nahezu fast waagerecht. Die Kopfform mit ihrer betonten Stirnpartie, ziert eine gut ausgeprägte, hoch angesetzte Spitzkappe. Sie wird gut geschlossen und am Ende soll sie die höchste Stelle am Kopf bilden.

Der Übergang in den Nacken ist kammförmig geschlossen, d.h. ohne Kimmenausprägung

(wie  z.B. beim Thür. Kröpfer gefordert).  Bei diesem Merkmal sind in den letzten Jahren große Fortschritte erreicht worden. Der Hals soll sich zum Kopf hin deutlich verjüngen und die Kehlung wird gut ausgerundet gefordert.

Die Augenfarbe ist bei allen Farbenschlägen dunkel. Hin- und wieder treten fehlerhafte helle Stellen, sogenannte Flämmchen, auf. Mit zunehmendem Alter der Tauben vergrößern sich diese hellen Stellen und können zu regelrecht gebrochenen Augen führen. Der die Zeichnung beeinflussende Pencillid Faktor hat auch auf die genannten Augenfehler Auswirkung. Solche Tiere sollten nur in Ausnahmefällen in der Zucht Verwendung  finden.

Der Augenrand wird unauffällig und dem Farbenschlag angepasst gefordert, d.h. dunkel bei allen Farbenschlägen außer gelb. Bei diesen ist er hell. Durch entsprechende Fütterung kann dieser auch einmal rötlich angelaufen sein. Das ist aber nicht gewollt und sollte vermieden werden. Die Schnabelfarbe ist analog der Randfarbe. Bei den Farbenschlägen Schwarz und Blau gibt es damit überhaupt keine Probleme. Bei Braun (rot) gehören Tiere mit auftretenden hellen Schnäbeln und im gelben Farbenschlag mit dunkler Schnabelfärbung nicht in den Ausstellungskäfig. Sie treten auf, weil diese Farben oft untereinander gekreuzt werden. In Gelb kann man dadurch Farbverbesserungen erreichen. Die Nachzucht spaltet in den Farben auf. Es fallen entweder Braune (rote) oder Gelbe. Bezüglich der Schnabelfarbe ist das leider nicht der Fall, sie vermischt sich.

Die Farbe der Krallen ist ohne Bedeutung.

 

Farbenschläge

Anerkannt sind die Farbenschläge braun (rot), gelb, schwarz, blau und blaufahl. Bei den Braunen handelt es sich genetisch um dominant rot und er wurde deshalb mittlerweile in Rot (analog der Mondtauben) umbenannt. 

Das besondere an den Brüstertauben  ist ihre zweigeteilte Zeichnung. Farbig sind der Kopf, Hals und Brust - also der vordere Teil der Taube. Das restliche Gefieder – der hintere Teil - ist weiß. Das Untergefieder im farbigen Bereich ist übrigens hell. 

Bezüglich der Zeichnung ist auf eine klare Abgrenzung im Brustbereich, Flügelbug und im unteren Nackenabschluß zu achten. Der Brustschnitt soll gerade verlaufen und nicht so hoch angesetzt sein. Beim Letztgenannten werden in der Regel weiße Federn im Hinterhals-Gefieder sichtbar. Der gerade verlaufende Brustschnittverlauf tritt selten exakt auf und wird durch mehr oder weniger fachgerechtes putzen erreicht. Es treten öfters versetzte oder schiefe Brustschnitt- Zeichnung auf, welche auch durch noch so intensives putzen nicht begradigt werden können ohne dass eine Federlücke entsteht. Diese Tiere sollten ebenfalls nicht in der Zucht Verwendung finden. Dieser Fehler ist bereits im Jungtieralter zu erkennen und rechtzeitig ausgemerzt werden. Gleiches tritt auf zu viele weiße Federn im Nackenbereich zu, auf tiefe, offene oder schiefe Spitzkappen oder  breite, nicht genügend abgedeckte Augenränder. 

Im Farbenschlag braun (rot) wird heute eine intensive und von Kopf bis Brust gleichmäßige, lackreiche Farbe verlangt. Das ist züchterisch nicht einfach zu erreichen. In der Vergangenheit wurden oft Tauben mit unterschiedlichen Farbtönen in Kopf, Hals und Brust gezeigt. Die laut Standard zulässige Säumung in den Schwingen sind dazu notwendige Farbstoff – Reserven und sind vom PR nicht zu ahnden.

Der gelbe Farbenschlag ist züchterisch einfacher. Auch hier wird auf eine gleichmäßige Farbe Wert gelegt. Tauben mit einer absetzenden Brustfarbe oder einer oft auftretende, melierte  Kopffarbe, d.h. jedes Federende hat einen fehlerhaften hellen Endsaum,  sind ebenfalls auszumerzen. Heiße Sommer mit viel Sonnenstrahlung wie in diesem Jahr, führt genauso zu einer Ausbleichung der gelben Farbe.

Schwarze Thüringer Brüster haben in den letzten 25 Jahren den größten züchterischen Fortschritt erzielt. Die ersten schwarzen Tiere wurden in den 70 iger Jahren des letzten Jahrhunderts u.a. wieder in Leipzig gezeigt. Heute werden bis in die Schwingenenden rein weiße Tauben gezeigt mit intensiver Schwarzfärbung. Es sind bereits Tiere mit intensivem Grünlack vorhanden, wobei sich diese Forderung noch züchterisch festigen muss. Einige Tauben zeigen allerdings noch Schwingensäumung. Das ist laut Standard auch zulässig und darf vom PR nicht gestraft werden.

Im blauen Farbenschlag wurde ebenfalls ein hoher Zuchtstand erreicht. Die Farbe darf nicht zu dunkel werden. Ein helles Taubenblau wird angestrebt. Die in der Vergangenheit oft vorkommende und verpönte Kupferbrust ist nahezu verschwunden. Die durchgehende blaue Brustfarbe bleibt allerdings ein Zuchtschwerpunkt. Oft ist diese leicht braun (rot), manchmal  auch weiß durchsetzt, was mit Punktabzügen in der Bewertung seinen Niederschlag findet.

Dem jüngsten Farbenschlag Blaufahl fehlen noch Mitstreiter. Die Neuanerkennung erfolgte im  Jahr 2000. Die Zuchtbasis ist noch sehr klein. Trotzdem sind Zuchtfortschritte unverkennbar. Analog den blauen Brüstern wird auch hier ein helles Blaufahl angestrebt. Oft ist es noch zu dunkel. An einer reinen Brustfarbe muss auch hier züchterisch noch gearbeitet werden. Im Gegensatz zu Blau treten in der verdünnten Form keine braun (rot) durchsetzte Brustfedern auf, sondern gelbliche Farbeinlagerungen.

Eine weitere Besonderheit bei den Brüstertauben ist das mehr oder weniger gesäumte Zeichnungsbild auf den sonst weißen Körperteilen im Jungtiergefieder. Verantwortlich dafür ist der bereits erwähnte Pencillid Faktor. Ihn finden wir auch bei anderen Rassen wie z.B. bei den Briver Schwarzköpfen, deren auch nach erfolgter Mauser verbleibende Säumung Bestandteil der geforderten Zeichnung ist. Bei den Brüstern färbt sich das Federkleid nach der ersten Jungtiermauser um und wird auf den geforderten Körperstellen weiß. Das geschieht aber nicht bei allen Tieren, Ein Teil behalten schwache Säumung zurück und sollten nach dem derzeitigen hohen Zuchtstand nicht ausgestellt werden. Diese weisen zumeist eine besonders intensive Farbe aus.

Verbreitung

Der Thüringer Brüster gehörte früher zu den seltenen Rassen. In den letzten 3 Jahrzehnten hat deren Verbreitung kontinuierlich zugenommen. Alle Farbenschläge, außer Blaufahl, werden heute auf den Sonderschauen des SV in mehr oder weniger gleichen Meldezahlen gezeigt. Meldungen von über 100 Tieren wurden schon mehrfach auf den HSS erreicht wie nachfolgende Übersicht verdeutlicht:

 

 Jahr  Anzahl der Tiere
 1990 93
 1995 100
2000 156
2005 115
2010 106
2015 103
2017 137

 

Die Thüringer Brüster sind wie alle Thüringer Farbentauben sehr zuchtfreudig, fürsorgliche Eltern und voller Temperament. Die in alter Literatur oft beschriebene scheue Wesensart ist nicht zutreffend (das trifft schon eher auf die Thür. Mönche zu). Im Gegenteil, sie können sehr zutraulich werden und verteidigen vehement ihr Brutrevier gegenüber ihrem Pfleger.

Trotz der relativ guten Züchterbasis würden sich die Thüringer Brüster über jeden neuen Interessenten freuen.

Der Thüringer Brüster hat wie alle glattfüßigen Thüringer Farbentauben die Ringgröße 8.

 

Jürgen Weichold

© 2016-2026 rassegeflugel-th.de

Social-Media Links:

Landesverband der Rassegeflügelzüchter Thüringens  e.V.

1. Vorsitzender: Marcus Beck
Kornblumenweg 3, 36456 Barchfeld
Tel.: 036961/69559, Mobil: 0173/3912106
marcusbeck1980@gmx.de


inhaltlich verantwortlich: Marcus Beck, Matthias Brunner
technische Umsetzung: Irina Reinke